Ach, wie groß war die Freude, als ich vor vielen Jahren Gartenbesitzerin wurde und damit auch von einem relativ jungen Kirschbaum. Jahr für Jahr rückte ich im Juni glückselig zur Ernte aus. Verwandte und Freunde wurden gleich mit versorgt.

Doch ich hatte die Wuchsfreudigkeit so eines Baumes massiv unterschätzt. Meine „Superidee“, Erntehelfer einzusetzen, indem ich Freunde zu Kaffee & Kirschen-Ernte einlud entpuppte sich als „Rohrkrepierer“. Kaffee & Kuchen wurde gern gesehen, Kirschen mitnehmen wurde nur zögerlich angenommen. Aber selbst ernten gefiel den wenigsten.

Nur was tut Frau, wenn Baum mal ganz nebenbei 30 kg und mehr Kirschen produziert und man keine Abnehmer findet? Man überlegt, ob es da nicht doch ein wenig mehr als Kuchen und Marmelade gibt. Ja! Gibt es! Das löst zwar nicht unbedingt mein Mengenproblem, doch ich hab da wahre Schätzchen der Volksmedizin gefunden …

verlockende Kirschen

1. Tipp: Kirschen tun euch gut

Die Kirsche schmeckt nicht nur süß und saftig, sondern sie enthält auch viele heilsame und gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe.

Provitamin A, Kalium, Kalzium Magnesium, Phosphor, Eisen, die Vitamine B1 / B2 / B6 und C, Folsäure, Zink, Bitter- und Gerbstoffe, Fruchtsäure und noch einige weitere. Ihr seht also, Kirschen zu naschen ist durchaus gesund …

Eigentlich unglaublich, dass uns Goji-Beeren und andere weit gereiste Snacks als Superfood verkauft werden, wo wir doch selbst – quasi vor der Nase – massenhaft davon haben.

2. Tipp: Verwendung der Blüten 

In der Volksmedizin wurde Kirschblütentee bei Husten, Fieber und auch Durchfall verwendet.

Also geht’s alljährlich ans Sammeln der Blüten für meine blumigen Teemischungen. Ich lege sie einfach auf ein Backblech und lasse sie an der Luft trocknen. Da die Blüten so zart sind, dauert das nur 2 bis 3 Tage. Danach fülle ich sie in verschließbare Gläser und ab geht’s in den dunklen Schrank.

Ich mag Tee mit Blüten, denn ich bilde mir fast ein, dass ich dann schon deshalb gute Laune hab, weil Blümchen im Tee sind. 😉

 

Die Kirschblüte zählt mit Sicherheit zum Höhepunkt im meinem Frühlingsgarten. Der Duft ist für mich DAS untrügliche Zeichen: Der Frühling ist da!

Wenn es dann auch noch „brummt“ im Baum, weiß ich, dass sich die Bienen ans Werk gemacht haben und genau jetzt der ideale Zeitpunkt gekommen ist, um selbst auch ein paar Blüten zu stiebitzen.

Da der Baum mittlerweile ohnehin zum Riesen mutiert ist und die Familie nicht groß genug ist, um all die Kirschen zu essen, kann ich ohne schlechtes Gewissen bei den Blüten zulangen. Und gleich auch noch bei den Blättern. Ob da im Sommer dann ein paar Kirschen mehr oder weniger reifen ist mir mittlerweile nämlich schlichtweg egal. Also ran an die Baum …

3. Tipp: Verwendung von Blättern und Stielen

Kirschblättertee soll bei Husten und Harnwegsinfekten hilfreich unterstützen.

Zubereitung: Dazu grob zerkleinerte Blätter (sowohl getrocknet als auch frisch möglich) mit 200 ml kochendem Wasser aufgießen und 10 Minuten ziehen lassen. Bei Bedarf 3 x täglich eine Tasse davon trinken.

Tee aus Fruchtstielen: Ja ihr habt richtig gelesen. Die Stiele beim Kirschen-Naschen im Sommer einfach zu Seite legen, trocknen und für Teemischungen aufbewahren. Die Stiele wurden in der Volksmedizin bei Husten eingesetzt, enthalten reichlich Gerbstoffe und eignen sich daher auch bei Durchfall. Außerdem kann der Tee bei Blasenbeschwerden hilfreich sein, da die Inhaltsstoffe entwässernd und harntreibend wirken.

Zubereitung: getrocknete Kirschstiele (ca.2 gehäufte Teelöffel) mit 200 ml kaltem Wasser zustellen, aufkochen lassen und 10 Minuten ziehen lassen.

Bäder: Kräuterpfarrer Kneipp empfahl heiße Fußbäder oder Vollbäder mit einer starken Abkochung aus Blättern, Stielen und auch Rinde bei Infektanfälligkeit.

Aber bitte, stürmt jetzt nicht in den Garten und schält dem Baum Rinde vom Stamm. Das würde ihn verletzen. Sondern sammelt beim Rückschnitt im Frühling die dünnen Ästchen und zieht dort die Rinde ab. Dann trocknen lassen und in Papiersäckchen oder Gläsern aufbewahren bis sie zum Einsatz kommen.

4. Tipp: „Katzengold“ – der Kirschgummi

Wenn der Baum verletzt wird, versucht er die Wunden mit Kirschgummi zu schließen. Dieser schaut zwar ähnlich aus wie Harz, unterscheidet sich jedoch massiv. Während Harz nämlich  klebrig ist und mit Wasser nicht abzuwaschen ist, verhält sich der Kirschgummi beim „Feindkontakt“ mit Wasser völlig anders. Er löst sich auf! Das ist auch der Grund, warum man nach starken Regenfällen das „Katzengold“ an den Ästen schlichtweg nicht mehr findet.

Die heilsamen Inhaltsstoffe kann man sich bei Husten zunutze machen. Also einfach mal drauf achten, ob am Kirschbaum größere Tropfen vom Kirschgummi zu sehen sind und dann einfach „abpflücken“. In einem Schraubglas bis zur Verwendung aufbewahren (dunkel und kühl und vor allem trocken!)

Anwendung: Bei Husten 2 erbsengroße Stückchen vom Kirschgummi mit einer Tasse Wasser in einem Topf etwa 5 bis 6 Minuten köcheln lassen. Der Gummi löst sich darin auf. Den Katzengold-Tee noch warm trinken.

5. Tipp: die Kirschkerne

Weil ich eigentlich meinen Kirschkuchen wurm- und kernlos mag, neige ich zur Fleißaufgabe „Kirschen entkernen“.

Logischerweise fallen dann jede Menge Kerne an, die man wunderbar für ein Kirschkernkissen verwenden kann.

Zugegeben, dass ist ein bisschen ein Zeitaufwand, aber andererseits: Warum kaufen, wenn man es auch selbst herstellen kann?

Die Kerne müssen da natürlich super-sauber sein. Das gelingt am besten, wenn man sie in einem Topf mit Wasser auskocht. Da löst sich das restliche Fruchtfleisch. Wenn dann doch noch Reste drauf sind, einfach die abgeseihten Kerne auf ein Handtuch leeren und ordentlich abrubbeln.

In einem meiner „schlauen“ Bücher hab ich noch einen Zusatztipp gefunden. Man kann die gereinigten Kirschkerne dann noch in ein verschließbares Säckchen geben und bei 60 Grad in der Waschmaschine bei z.B. Badetüchern mit waschen. Danach sollten sie perfekt sauber sein. Allerdings bitte drauf achten, dass das Säckchen wirklich bombenfest verschlossen ist, damit die Kerne nicht auf Wanderschaft gehen. Dann müssen die Kerne nur noch gut durchtrocknen. Im Sommer einfach auf einem Backblech in die Sonne stellen. Dann ein hübsches kleines Kissen damit befüllen und schon habt ihr euer DIY-Kirschkernkissen fertig.

Die Anwendung ist einfach. Die Kissen sind sowohl für Warm- als auch für Kaltanwendung geeignet. Für ein wärmendes Kirschkernkissen wird es bei 60 Grad in den Backofen gelegt bis es schön warm ist. Wenn man aber kühlend arbeiten möchte, muss es für 2 bis 3 Stunden in den Gefrierschrank. Ich hab hier auch einen Link für euch, der vielleicht noch ein bisschen weiter hilft: https://www.netdoktor.de/hausmittel/koernerkissen-kirschkernkissen/

knackige Kirschen

Wie man sieht, ist der Kirschbaum ein wahres Allroundtalent, wenn es um unsere Gesundheit geht.

 

P.S. Das Mengenproblem hab ich übrigens auch gelöst. Ich hab einfach beschlossen, brüderlich und schwesterlich mit Amsel & Co. zu teilen …

Quellenverzeichnis:
„Die Kräuter in meinem Garten‘ – S.Hirsch & F. Grünberger / 19. Auflage, neu überarbeitet 2014 – Verlag Freya

https://www.netdoktor.de/hausmittel/koernerkissen-kirschkernkissen/ vom 17.6.2022