„Gegen alles ist ein Kraut gewachsen“ – das gilt auch für’s Klimakterium, das definitiv einen neuen Lebensabschnitt darstellt. Mein Körper kam plötzlich auf Ideen, die ich gar nicht gut heißen konnte. Schlafstörungen, Hitzewallungen, Kopfschmerzen und extrem trockene Haut (da hab ich übrigens hier ein tolles Rezept dafür). Darum lautet das Motto für diesen Beitrag „Kräuter für die Wechseljahre“ …

Mein Schlaf war mir immer wichtig und egal, wie stürmisch es in meinem Leben auch zuging: Schlafen konnte ich immer. Tja, bis ich in die Wechseljahre schlitterte. Einschlaf- und Durchschlafprobleme, Hitzewallungen und Schweißausbrüche mitten in der Nacht, die sich wunderbar mit Gänsehaut und Schüttelfrost abwechselten. Und immer diese innerliche Unruhe. Also wirklich gar nicht lustig.

Was macht eine Kräuterfee in dieser misslichen Lage? Richtig! Sie beschäftigt sich ausführlich mit grünen Helferleins aus Garten, Wald & Wiese.

Darum möchte ich euch an dieser Stelle, einige der hilfreichen Kräuter vorstellen, die ihr vielleicht sowieso im Garten habt und bestimmt schon lange kennt.

 

Schafgarbe

Die Schafgarbe (Achillea millefolium)

Zu meinen liebsten Kräutern für die Wechseljahre zählt die Schafgarbe. Ich nasche die zarten Blättchen der Schafgarbe gern frisch geplückt. Sie sind dezent bitter und dürfen gern auch in meinen Salat oder in meine Kräuter-Omeletts.  Darüber hinaus ist das getrocknete Kraut (ich verwende die Blüten und Blätter) auch Bestandteil meines „Wechseljahres-Tee“.

Achillea millefolium hilft allerdings nicht nur den älteren Semestern, um die hormonelle Schieflage (z.B. in Kombination mit Frauenmantel) auszugleichen, sondern ist eines der Frauenkräuter schlechthin. Da es dank seiner Inhaltsstoffes krampflösend wirkt und daher auch während der Menstruation samt Unterleibskrämpfen eingesetzt werden kann.

Weil die Schafgarbe zudem auch entzündungshemmend, antibakteriell und blutstillend wirkt, fördert sie zudem auch die Rückbildung der Gebärmutter nach Entbindungen.

Ein starkes Frauenkraut, das von vielen zu Unrecht als Unkraut abgetan wird!!!

Achtung bei Allergie gegen Korbblütler! Auch wenn die Schafgarbe nicht wie ein typischer Korbblütler aussieht, so zählt sie trotzdem zu dieser Gruppe.

Salbei

Salbei (Salvia officinalis)

Zu Beginn der Wechseljahre mein wichtigster Begleiter. Warum? Weil ein Tässchen Salbei-Tee innerhalb weniger Minuten meine Hitzewallungen bzw. Schweißausbrüche (ich hatte da gefühlt 100 Grad Betriebstemperatur 😉) wieder in den Normalbereich brachte.

Die schweißhemmende Wirkung ist übrigens durch klinische Studien belegt. Die Blätter sind laut Europäischer Arzneimittelagentur als schweißhemmendes Mittel (unterschiedlichster Ursachen)  zugelassen.

Allerdings gilt wie immer zu beachten: Die Dosis macht das Gift. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass mir z. B. Salbei-Tinktur im Magen nicht gut tut. Daher einfach ausprobieren und auf den Körper hören!!!

2 bis 3 Tassen Salbeitee (nur kurz ziehen lassen (mir reichten 2 bis 3 Minuten) und schluckweise trinken sollten den Temperaturmodus ein bisschen ausgleichen …

 

Hopfen

Hopfen (Humulus Lupulus)

Hopfen braucht man nicht nur zum Bierbrauen. Er gehört auch zu meinen bevorzugten Kräutern für die Wechseljahre und wirkt nachweislich bei Befindlichkeitsstörungen wie Unruhe und Schlafstörungen. Genau deshalb ist er in meinem Wechseljahres-Tee fixer Bestandteil.

Außerdem ist Hopfen schon seit jeher ein häufig verwendetes Frauenkraut (enthält Phyto-Östrogene), das bis weit in die Wechseljahre Anwendung findet. Doch auch bei Schwangerschaftsübelkeit kann Hopfentee in Maßen getrunken werden.

Verwendet werden die (weiblichen) Hopfenzapfen, die man ab Ende August und im September sammeln kann. Diese werden dann rasch getrocknet und dunkel für meine Teemischung aufbewahrt.

 

Rotklee

Rotklee (Trifolium pratense)

Rotklee wächst auf vielen Wiesen und wird als hübsches Viehfutter völlig verkannt. Nur wenige wissen, dass der Rotklee über östrogene Wirkung (Phytoöstrogene) verfügt, die Wechseljahresbeschwerden positiv beeinflussen können.

Mein Tipp: Öfter mal die feinen Blüten am Butterbrot genießen, den Salat damit dekorieren oder die Blüten trocknen und in den Wechseljahres-Tee mischen.

Aufgrund der Phytoöstrogene ist Vorsicht geboten und es wird daher davon abgeraten, Rotklee zu verwenden, wenn man eine hormonabhängige Krebserkrankung durchmacht. Auch in der Schwangerschaft und bei Kindern würde ich Rotklee nicht einsetzen.

In meinem Wechseljahres-Tee ist Rotklee gelegentlich mit dabei, aber eben nicht immer …

 

Melisse

Melisse (Melissa officinalis)

Eine wunderbare Pflanze, die ich unabhängig von Wechseljahresbeschwerden immer schon sehr gern habe, ist die Zitronenmelisse.

Das ätherische Öl, das auch für den tollen Duft verantwortlich ist, wirkt beruhigend bei Unruhe, Schlaflosigkeit und Herzhüpfen (ja auch daran musste ich mich im Klimakterium gewöhnen). Daher ist die Melisse IMMER fixer Bestandteil meines Wechseljahres-Tee.

Absolut empfehlenswert sind auch gelegentlich abendliche Bäder mit einem starken Melissen-Auszug. Wer  sich den Luxus des extrem teuren ätherischen Melissenöls gönnen mag, kann sich auch einige Tropfen des Öls im Badewasser verteilen. Aber bitte dran denken, dass man für Öl im Wasser einen Emulgator braucht. Also z.B. einen halben Becher Schlagobers mit ein paar Tropfen des ätherischen Melissenöls verrühren und dem Badewasser beifügen.

 

Noch mehr Kräuter für die Wechseljahre …

Die oben genannten Kräuter sind jene, die ich am liebsten und häufigsten einsetzte. Allerdings hauptsächlich zu Beginn der schwierigen Zeit, die etwa 6 bis 7 Jahre andauerte. Die Menopause kommt ja nicht schlagartig über Nacht, sondern scheibchenweise und zieht sich über Jahre. Und genauso scheibchenweise habe ich die Kräuter für die Wechseljahre eingesetzt.

Ein weiteres typisches Frauenkraut ist der Frauenmantel, der in der Volksmedizin bei starken Hormonschwankungen eingesetzt wird und wurde. Dieser gleicht aber eher einen zu hohen Östrogenspiegel aus.

Relativ wenig bekannt ist, dass die Himbeeren (Früchte) ebenfalls Phytoöstrogene enthalten.  Sie können sowohl einen zu hohen als auch einen zu niedrigen Östrogenspiegel ausgleichen . Nebenbei schmecken sie auch einfach nur supergut.

Neben Himbeeren wirken auch schwarze Ribisel (schwarze Johannisbeere), Stachel- und Heidelbeeren ausgleichend, da sie ebenfalls Phytoöstrogene enthalten.

Auch Weißdorn ist ein freundlicher Helfer, wenn es durch die Hormonumstellung mitunter zu Herz- und Kreislaufstörungen kommt. Hier kann ein Tee aus Blüten, Blätter und Früchten sanft regulieren. Allerdings ist die Tee-Anwendung längerfristig gedacht und eher vorbeugend …

Sehr hilfreich am „Höhepunkt“ der Hitzewallungen (etwa 5 bis 6 Mal in der Stunde) war aber die Traubensilberkerze, die ich allerdings als fertiges Präparat in der Apotheke kaufte. Diese sollte laut Apothekerin nicht länger als drei Monate durchgehend genommen werden, dann war Pause angesagt. Am besten direkt beim Arzt oder von einem Mitarbeiter der Apotheke beraten lassen, ob das noch immer die aktuelle Vorgehensweise ist. Mir hat die Traubensilberkerze enorm an Lebensqualität zurück gebracht und ich bin dankbar, dass die Natur diese wichtige Frauenpflanze als Geschenk für uns hervorgebracht hat. Wobei wir wieder beim Thema wären: „Gegen alles ist ein Kraut gewachsen“ …

Hinweis: die Kräuter für die Wechseljahre können sehr hilfreich sein. Da sie aber trotzdem den Hormon-Haushalt beeinflussen können, ist etwa bei hormonell bedingten Krebserkrankungen oder anderen Grunderkrankungen bitte  unbedingt ein Gespräch mit dem Arzt oder mit einem Apotheker zu führen. Was der einen Frau hilft, kann für die andere völlig ungeeignet sein.  

 

Quellenverzeichnis:
„Die Kräuter in meinem Garten‘ – S.Hirsch & F. Grünberger / 19. Auflage, neu überarbeitet 2014 – Verlag Freya

Handbuch der Heilpflanzen Akademie – Dr. Patricia Purker (Aufage Dezember 2020)

Landapotheke (Ausgabe 3-2015)