Wenn ich die ersten Kirschen nasche, versetzt mich das immer ein bisschen zurück in meine Kindheit. Denn in Opas Garten stand ein grandioser Kirschbaum. Und ich liebte es, mich auf den Baum zu schwingen und wie ein Eichkätzchen immer höher zu klettern. Schließlich gab’s ja ganz oben die schönsten, dunkelsten und süßesten Früchte. Heut nasch ich noch immer gern Kirschen, auch wenn ich mir mittlerweile eine Leiter als Aufstiegshilfe gönn und ich die roten Schätzchen hoch oben am Baum für Amseln und Co. hängen lass.
Mehr als nur süße Kirschen …
Wusstet ihr, dass es über 200 verschiedene Kirscharten gibt? Allen voran natürlich die süßen Kirschen im Hausgarten wie Herz- oder Knorpelkirschen. Aber auch Kirschpflaumen (auf österreichisch Kriecherl), Weichseln oder der typischer Auwald-Bewohner Traubenkirsche gehören zu den Prunusarten (letztere schmeckt allerdings bitter und enthält Blausäure in den Kernen)
Am beliebtesten sind aber die süßen dunkelroten Früchte der Süßkirsche. Allein jetzt beim Schreiben freue ich mich schon auf die kommende Erntezeit. Doch so ein Kirschbaum kann weit mehr als „nur“ Früchte für den sommerlichen Kuchen zu liefern.
Die Kirschblüte im April

Die duftenden Kirschenblüten sind eine wunderbare Bienenweide, doch ein paar Blüten stiebize ich jedes Jahr.
Im Rahmen meiner Ausbildung zur Grünen-Kosmetik-Pädagogik hab ich Verwendungsmöglichkeiten für Blüten kennengelernt. Sehr einfach und schnell lässt sich ein Kirschblüten-Deo mit dezentem Mandel bzw. Marzipan-Aroma herstellen.
- Dazu einfach 1 Handvoll Kirschblüten in ein hohes Gefäß geben (so wenig Grünanteil wie möglich)
- mit ca. 100 ml stillem Mineralwasser übergießen
- 1 TL Weinsteinsäure dazu geben, (bekommst du in Apotheken)
- 2 EL Wodka (37,5 %ig) oder 1 EL Ansatzkorn
- einige Stunden oder am besten über Nacht ziehen lassen und
- am nächsten Tag filtern (Papier-Teefilter sind super dafür geeignet).
- Jetzt noch in ein steriles Zerstäuberfläschchen umfüllen und fertig ist euer Deo mit zartem Mandel-Duft

Wie alle DIY-Produkte ohne Zusatzstoffe und Konservierungsstoffe ist dieses Deo natürlich nicht allzu lange haltbar. Deshalb am besten immer nur Kleinstmengen herstellen und rasch aufbrauchen. Meine Fläschchen haben etwa 30 ml Fassungsvermögen. Ein Fläschchen steht im Badezimmerschrank, die anderen werden im Kühlschrank gelagert und sollten gut und gern 3 bis 4 Wochen halten.
Die süßesten Früchte

Ich bin leider so ungeduldig, dass ich bereits nasche, wenn die Früchte noch hellrot sind. Weil sie einfach zu verlockend vom Baum lachen. Aber wenn ich ehrlich bin, sind erst die dunkelroten richtig süß und einfach himmlisch..
Die herrliche Farbe ist es auch, die mir verrät, dass die Kirschen vollgepackt mit Anthocyanen sind. Grad richtig für mein Bäuchlein. Oh – ihr kennt diese Antho-Dings nicht?
Anthocyane sind die roten Farbstoffe, die als „Radikalfänger“ enorm wichtig für unsere Gesundheit sind, denn sie wirken sowohl antientzündliche als auch antioxidativ und wirken somit präventiv gegen allerlei Krankheiten. Übrigens findet man die auch in anderem Obst wie Himbeeren, Brombeeren oder auch in Gemüse wie Rotkohl etc.
Neben Anthocyanen sorgen auch noch Kalium, Kalzium, Eisen und Magnesium in den Kirschen dafür, dass wir gesund durchs Leben kommen. Und jetzt hätt ich doch glatt die Vitamine A, C und die B-Vitamine vergessen.
Kirschen naschen ist also nicht nur ein Genuss für Schleckermäulchen, sondern auch richtig gesund.
Die Kerne
Ja, klar, das Entkernen der Kirschen ist Arbeit. Aber wer will schon beim Kuchen oder Kompott naschen dauernd Kerne durch die Gegend spucken? Doch wenn man sich die Arbeit des Entkernens schon mal antut, kann man die „Steinderl“ aber auch gleich verwenden. Wofür? Na für Kirschkern-Säckchen, die man wunderbar im Backrohr (oder Mikrowelle) aufwärmen kann. Die Kerne speichern die Temperatur und können sowohl warm (bei Menstruations-Bauchkrämpfen) oder kalt (kurz im Gefrierfach kühlen) verwendet werden.
Die Kerne sauber zu bekommen erfordert natürlich nochmal ein wenig Zeit. Aber das Prozedere fand ich eigentlich ziemlich entspannend. Hier verrate ich euch auch gleich, wie ich die kleinen Kerlchen sauber bekommen hab. Zuerst werden sie unter fließendem Wasser grob abgespült. Da geht schon einiges vom noch vorhandenen Fruchtfleisch weg.
Anschließend hab ich sie in einem Topf etwa 10 Minuten richtig gut abgekocht, bevor ich die Kerne abgeseiht und auf alten Küchentüchern / Handtüchern verteilt hab. Achtung! Die Kerne sind da noch ziemlich heiß. Ihr müsst sie nun ein wenig abkühlen lassen. Und danach einfach mit den Tüchern reiben, reiben und nochmal reiben. Die Kerne sind tatsächlich richtig schön sauber geworden. Ich hab sie dann aber trotzdem noch in eine Socke gesteckt, die ich gut verknotet hab und sie eine Runde in der Waschmaschine mitlaufen lassen. Danach waren sie blitzblank und ich musste sie nur noch einige Tage gut durchtrocknen lassen.
Nun werd ich demnächst noch ein kleines Kissen nähen, in das ich die Kerne verschwinden lasse und fertig ist mein DIY-Kirschkernkissen.
Die Kirschenstiele
Kaum jemand denkt daran, die Stiele der Kirschen zu verwenden. Aber sogar damit kann man – gemeinsam mit Kirschbaumblättern – einen Tee bei Atemwegserkrankungen zaubern. Denn ehrlich, warum sollte an einer Pflanze ausschließlich die Frucht genießbar sein? Auch, wenn sich das für manche erstmals ungewöhnlich anhört. Wertvolle Inhaltsstoffe findet man nicht nur in Blättern und Früchten, sondern natürlich auch im Stängel.
Sowohl in meinen älteren Kräuterbüchern als auch im Internet finden sich zahlreiche Einträge zu diesem Thema. Kirschstiel-Tee (in Kombination mit Kirschbaumblättern) ist ein milder aromatischer Tee, der in der Volksheilkunde fixer Bestandteil war und mancherorts noch ist. Also beim nächsten Mal Kirschen-naschen die Stängel einfach aufheben und trocknen …
Der Tee wurde in der Volksmedizin weiters bei Atemwegserkrankungen, Blasenentzündungen und gegen Durchfall verabreicht.
Der Kirsch-„Gummi“

Viele meinen, dass ein Kirschbaum nach Verletzungen Harz ausscheidet. Genau genommen ist es aber Gummi. Der Unterschied ist schnell erklärt. Harz klebt und lässt sich nicht mit Wasser von den Fingern entfernen. Das „Katzengold“, wie man den Kirschgummi auch oft nennt, ist jedoch wasserlöslich und lässt sich wunderbar abwaschen. Darum ist er manchmal nach Regentagen am Baumstamm oder den Ästen nicht mehr auffindbar. Er hat sich dann sozusagen aufgelöst.
Und genau diese Wasserlöslichkeit macht man sich in der Volksmedizin zunutze, wenn der Husten wieder mal nervt. Die Dosierung wäre: 1 bis 2 erbsengroße Stücke des Gummis, die mit einer Tasse Wasser etwa 7 bis 8 Minuten auf kleiner Flamme köcheln dürfen. Danach abseihen und lauwarm trinken.
HINWEIS: Das Wissen um heimische Kultur- und Heilpflanzen entspringt der Volksheilkunde bzw. der Traditionellen Europäischen Medizin und wird in diesem Blogbeitrag lediglich als Information für interessierte Leser zur Verfügung gestellt. Bei Beschwerden oder ernsthaften Erkrankungen ist ein Besuch bei Arzt/Ärztin unumgänglich.
Quellenverzeichnis:
- „die Kräuter in meinem Garten“ von Siegrid Hirsch und Felix Grünberger im Verlag Freya
- Handbuch der Heilpflanzen Akademie – Dr. Patricia Purker (Auflage Dezember 2020)
- AOK Gesundheitsmagazin (Stand 15.3.2026)
- Wikipedia (Stand 15.3.2026)
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