Leider gehör ich zu jenen Menschen, die sich von Zeit zu Zeit mit Fieberblasen herumschlagen müssen. Meist kündigen sie sich mit Jucken und Kribbeln an, interessanterweise aber fast immer dann, wenn ich Erkältungen „abgewürgt“ oder sie ausgesessen 🤧 hab und eigentlich schon wieder gesund bin.

Ach ja – und wenn ich Stress hab (ich sag nur Autobahn und lebensmüde Drängler & Raser auf der linken sowie rücksichtslose LKW-Fahrer auf der rechten Spur, die die Sinnhaftigkeit von Blinken VOR dem Spurwechsel nicht checken 🤦‍♀️). Somit beginnen manche Urlaube (außer ich fahre Bahn) mit meinen ungeliebten Mitbewohnern, die sich als blinde Passagiere eingenistet haben und sehr zu meinem Leidwesen meine wertvollen Ferienzeit mit mir teilen.

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ich beinahe alle Mittelchen aus der Apotheke durchprobiert hab. Von Salben angefangen bis hin zu Patches, die man wie ein unsichtbares Pflaster über die Bläschen klebt. Auch Aminosäuren-Präparate durften in meinen Apothekerschrank einziehen. Aber egal wie sehr ich die Herpes-Viren auch auszutricksen versuche, sie sind mir quasi immer einen Schritt voraus. Was bedeutet, dass sie mir eine Woche die Treue halten und danach meine lädierte Lippe als Schlachtfeld hinterlassen 😱. Die dann für eine weitere Woche so in Mitleidenschaft gezogen ist, dass herzhaftes Abbeißen von Apfel oder Butterbrot kaum möglich ist.

Was macht also eine Kräutertante wie ich in dieser unerfreulichen Lage? Sie beschäftigt sich wieder mal mit den grünen Helfern aus Wiese, Wald und Kräutergarten. 😉

Eines meiner Lieblings-Kräutl: die Melisse (Melissa officinalis)

Die Melisse, sie wird wegen ihres zitronigen Aromas auch Zitronenmelisse genannt, ist ein beliebtes und erfrischendes Kraut in sommerlichen Getränken. Man kann wunderbar Wasser damit aromatisieren oder Melissen-Sirup für die Vorratskammer zubereiten.

Doch da geht noch ein bisschen mehr: Sie verleiht dank ihrer beruhigenden Wirkung auch erholsamen Schlaf 😴. Abends einfach eine Tasse Melissentee trinken und man kommt zur Ruhe. Speziell in den Wechseljahren sollte man an sie denken. Doch das ist eine andere Geschichte (hier klicken).

Doch bevor ich noch weiter ausschweife, komm ich endlich zur Sache, denn im Beitrag geht’s ja um die lästigen Fieberblasen.

Melisse

Melissen-Tinktur ist mein treuer Begleiter …

In wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Melisse auch bei Herpes-Bläschen hilfreiche Dienste leistet. Der Inhaltsstoff, der über antivirale und antimikrobielle Wirkung verfügt, ist die in den Blättern der Melisse vorhandene Rosmarinsäure. Und genau deshalb habe ich schon vor längerer Zeit meine Wahl getroffen und setze auf Melissen-Tinktur als SOS-Sofort-Behandlung, wenn’s wieder mal juckt und brennt.

Damit ich die Tinktur jederzeit griffbereit habe, steht sie in der 1. Reihe in meinem Apothekerschrank. Seite an Seite mit der Melissen-Salbe, die beiden sind meine Asse im Ärmel.

Und weil die beiden so hilfreich sind, dürfen sie natürlich auch immer wieder in meiner Reiseapotheke Platz nehmen und mit mir in die weite Welt hinaus ziehen😊.

Und so mach ich meine Melissen-Tinktur …

  • Ich nehme eine gute Handvoll Melissenblätter und schneide sie klein.
  • Anschließend schichte ich sie in ein verschließbares Glas und gebe Alkohol dazu. Ich verwende entweder 38%igen Wodka oder 80%igen Ansatz-Korn, den ich dann allerdings mit Wasser verdünne um auf 40% Alkohol-Gehalt zu kommen. Wichtig ist, dass die Blätter vollständig vom Alkohol bedeckt sind.
  • Nun verschließe ich das Glas und stelle es an einen hellen (aber nicht sonnigen) Ort. Ich hab für meine Ansätze ein Fenster an der Nordseite gewählt.
  • Wichtig ist, den Ansatz jeden Tag ein- oder zweimal zu schütteln. Das hat den Zweck, dass sich der Alkohol mit den Inhaltsstoffen anreichern kann.
  • Die Tinktur sollte mindestens 14 Tage ziehen können – wobei ich persönlich alle Ansätze immer 28 Tagen ausziehen lasse, damit sie alle unterschiedlichen Mondphasen durchlaufen.
  • Danach wird durch einen Teefilter (aus Papier) gefiltert. Man kann aber auch ein Leinen- oder Baumwolltuch verwenden. Das ist Geschmackssache.
  • Jetzt wird die Tinktur nur noch in ein Glasflascherl abgefüllt. Ich verwende dafür gern Braunglas-Pipettenfläschen aus der Apotheke. Aber natürlich geht auch jede andere Glasflasche.
  • Dunkel und kühl gelagert hält die Tinktur auf alle Fälle ein Jahr, meist sogar länger. Hier gilt Hausverstand walten lassen. Riecht es eigenartig oder schaut es trüb und kaputt aus, dann besser entsorgen …

Meine Verteidigungs-Strategie … 

Sind dann die lästigen Herpes-Bläschen wieder mal im Anmarsch, begebe ich mich sofort in Verteidigungsstellung. Entweder mit einem in der Melissen-Tinktur getränkten Wattepad, das ich auf die juckende Stelle lege. Oder mit einem Wattestäbchen, mit dem ich die betroffenen Stelle punktgenau abtupfen kann. Das kommt immer auf die Größe des betroffenen Areals an.

Bitte beachten, dass der Alkohol die Haut austrocknet. Daher drauf achten, dass wirklich nur die Bläschen mit der Tinktur bearbeitet werden.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Fieberblasen deutlich schneller als üblich abheilen . Erst vor kurzem musste ich wieder in die Virenschlacht ziehen. Die Schurken kaperten meine Lippe am Montagabend, am Donnerstag vertrieb ich sie endgültig aus dem befallenen Areal und Freitagmorgen war der Herpesvirus Geschichte 😊. Vorerst mal.

Die ersten zwei bis drei Tage kam die Tinktur zum Einsatz. Danach die Melissen-Salbe auf Ölbasis. Sie pflegt die angegriffene Stelle und somit bleibt die rissige (und mitunter blutende) Lippe auch aus. Damit dem Biss in den Apfel nichts mehr im Wege steht. 😊

Hier noch ein Tipp: Für das Melissen-Öl eine Handvoll Blätter antrocknen lassen (etwa einen Tag), Blätter klein schneiden und statt mit Alkohol mit Olivenöl bedecken. Wieder mindestens 14 Tage (diesmal dunkel damit Öl keinen Schaden nimmt) stehen lassen, täglich schütteln und durch einen Papier-Teefilter abseihen. In mit Alkohol (gern der 80%ige Korn) desinfizierte Fläschchen abfüllen. Entweder zur Salbe weiter verarbeiten oder zur Lippenpflege punktuell mit Wattestäbchen auftupfen.

Ich hoffe, dass mein Tipp hilfreich ist und dem einen oder anderen genauso gut hilft wie mir, beachte aber bitte den Disclaimer in der Seitenleiste.

Alles Liebe

Doro (von Veilchenblau)

 

Quellenverzeichnis:

  • „Die Kräuter in meinem Garten‘ – S.Hirsch & F. Grünberger / 19. Auflage, neu überarbeitet 2014 – Verlag Freya
  • Handbuch der Heilpflanzen Akademie – Dr. Patricia Purker (Aufage Dezember 2020)

 

 

 

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